Pfefferminze


Mentha × piperita

Evidenz: Mittel

Der Hauptwirkstoff der Pfefferminze, L-Menthol, wirkt als Kalziumkanalblocker auf die glatte Muskulatur des Darms. Dies führt zu einer Entspannung der Darmmuskulatur und reduziert effektiv Krämpfe, Blähungen und Völlegefühl. Die Wirksamkeit von L-Menthol bei der Linderung von Symptomen funktioneller Darmstörungen ist gut belegt.

Zu diesem Inhaltsstoff liegen 2457 von Fachleuten begutachtete wissenschaftliche Studien vor.

Ausgewählte Studie:

Scarpellini E, Broeders B, Schol J, Santori P, Addarii M, Boccuto L, Carbone F, Abenavoli L, Tack J. Die Verwendung von Pfefferminzöl in der Gastroenterologie. Curr Pharm Des. 2023;29(8):576-583. doi: 10.2174/1381612829666230328163449. PMID: 36994979.

Zusammenfassung der Studie:

Studientyp: Diese Arbeit ist ein narrativer Review und keine neue klinische Studie. Die Autoren durchsuchten wichtige medizinische Datenbanken nach Originalstudien, Metaanalysen, randomisierten kontrollierten Studien und Fallserien zu Pfefferminzöl und ausgewählten funktionellen gastrointestinalen Endpunkten; daher wurden keine Teilnehmer direkt in diesen Artikel eingeschlossen, sondern der Review stützt sich auf Daten aus mehreren Human- und präklinischen Studien.

Beobachtete Vorteile: Die ausgewertete Literatur belegt durchweg eine entspannende und krampflösende Wirkung von Pfefferminzöl (und seinem Hauptbestandteil Menthol) auf die glatte Muskulatur von Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm und Dickdarm. Klinisch führt dies zu einer Linderung der Symptome bei funktioneller Dyspepsie und Reizdarmsyndrom. Mehrere Studien berichten von einer Reduktion von Bauchschmerzen, Blähungen und Beschwerden nach dem Essen.

Wirkmechanismen: Menthol blockiert offenbar Kalziumkanäle und aktiviert den Kälterezeptor TRPM8 der glatten Muskulatur des Darms, was zu einer vorübergehenden Entspannung führt. Es kann außerdem vorübergehende Entspannungen des unteren Ösophagussphinkters modulieren und die viszerale afferente Signalübertragung an das zentrale Nervensystem dämpfen, wodurch die Überempfindlichkeit reduziert wird. Zusammengenommen verbessern diese Effekte die Motilität und verringern die Schmerzwahrnehmung bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen.

Nebenwirkungen: Die Übersichtsarbeit hebt ein „günstiges Sicherheitsprofil“ im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten gegen funktionelle gastrointestinale Erkrankungen hervor. Die gemeldeten Nebenwirkungen sind im Allgemeinen leicht – vorübergehendes Sodbrennen oder Brennen im Anal-/Mundbereich bei Verwendung nicht-magensaftresistenter Kapseln – und schwerwiegende Ereignisse sind selten.

Aussagekraft der Evidenz: Da es sich um eine narrative (nicht systematische) Übersichtsarbeit handelt und viele der zugrunde liegenden Studien klein oder hinsichtlich Dosierung und Darreichungsform heterogen sind, ist die Gesamtevidenz moderat. Dennoch sprechen die übereinstimmenden pharmakologischen Daten, mehrere placebokontrollierte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und die langjährige klinische Erfahrung für Pfefferminzöl als ergänzende oder alternative Therapie bei funktioneller Dyspepsie, Reizdarmsyndrom und zur endoskopischen Spasmuskontrolle. Größere standardisierte Studien würden helfen, die optimale Dosierung zu verfeinern und die Langzeitsicherheit zu bestätigen.